Die Masken der Liebe by Heinz G. Konsalik

Die Masken der Liebe by Heinz G. Konsalik

Author:Heinz G. Konsalik [Konsalik, Heinz G.]
Language: deu
Format: epub
Tags: Belletristik
Publisher: Goldmann Verlag
Published: 2013-06-21T16:00:00+00:00


Die Luft war durch den Regen wundervoll abgekühlt. Erde, Laub und Blumen strömten ihren Duft aus. Von den Zweigen tropfte es mit leisem Klicken. Fern über den Bergen wetterleuchtete es noch. Das Gewitter war schon weit weg.

Es war nicht mehr ganz so dunkel. Vereinzelt lugten die Sterne durch die Wolkenschleier und leuchteten trübe wie kleingedrehte Petroleumlampen. Der Mond war freilich noch hinter einer dichten Wolkendecke verborgen. Die Ausläufer seines bleichen Lichtes färbten die Ränder wundersam geformter Wolkenballen.

Heinz Konradi stand auf der Straße, stützte sich auf seinen Stock und überlegte.

Die Suche nach einem jungen Mädchen und einem jungen Mann ist eigentlich ein Blödsinn, dachte er. Aber was tut man nicht alles, um seine Frau zu beruhigen. Es ist zwar richtig, daß es Wüstlinge, Heiratsschwindler, Mädchenhändler, Sittlichkeitsverbrecher und dergleichen Gesindel in Massen gibt, aber dazu gehört dieser Herbert Sanke nicht. Nein, bestimmt nicht. Einen solchen Eindruck machte er nicht, auch seine Unterhaltung, sein Benehmen und seine Schrift, die ich auf den Werbeprospekten gesehen habe, waren ungekünstelt und von einer freien Natürlichkeit. Schließlich habe ich nicht Psychologie als Nebenfach studiert, um mich so zu täuschen, dachte Heinz Konradi weiter.

Dieser Herbert Sanke war harmlos und von einer eindeutigen Ehrlichkeit, die Heinz Konradi mit Anerkennung betrachtete.

Doch das fiel im Moment nicht ins Gewicht. Das spielte alles keine Rolle, es hatte nichts zu sagen. Brigitte Borgfeldt war seit zweieinhalb Stunden verschwunden, das war entscheidend.

Verschwunden auf dem Weg zur Brücke.

Verschwunden trotz der eindeutigen Beteuerung, nur kurze Zeit wegzubleiben.

Laß mich zunächst einmal den Weg bis zur Brücke abgehen, dachte Heinz. In der Nähe der Brücke gibt es zwei Restaurants und zwei Hotels, da kann ich – falls sie noch nicht geschlossen haben – einmal diskret nachfragen, denn in solchen Situationen muß man mit allem rechnen, wenn es mir auch denkbar unangenehm ist, in die möglichen Geheimnisse eines jungen Herzens einzudringen.

Langsam schlenderte Heinz Konradi durch die Straßen, trottete ein Stück die Promenade Ebbenraths entlang und fand trotz der Nässe die neuen Bänke des Verkehrsvereins prompt besetzt vor, aber leider nicht besetzt von Gitti und Herbert Sanke. Der Anblick dieser ganz in ihre Liebe verstrickten Pärchen, die auch das Gewitter und den Regen irgendwo überstanden haben mußten, gab ihm jedoch den Mut, auch an das gleiche günstige Schicksal Brigittes zu glauben.

Denn wozu die anderen imstande gewesen waren, das dürfte doch auch Herr Sanke fertiggebracht haben.

Womit Heinz Konradi begann, seine Suche nach Brigitte Borgfeldt doch auf der Logik des Mannes und nicht auf dem Gefühl der Frau aufzubauen.

Aber es war das erstemal, daß Konradi von seiner Logik enttäuscht wurde, denn nach kurzer Zeit stand er vor der Brücke und mußte sich eingestehen, auf den Bänken und in den so beliebten Haustüren oder Toreinfahrten seine Schwägerin nicht entdeckt zu haben.

Verstimmt lehnte er sich an das Geländer und blickte mißmutig um sich.

Was nun, dachte er. In die Hotels gehen und fragen? Es fiel ihm ein, daß das einer ziemlichen Kompromittierung Brigitte Borgfeldts gleichgekommen wäre.

Und wenn er ihren Namen nicht nannte?

Blödsinn! Er selbst war ja hier jedem bekannt. Damit wäre also auch nichts zu gewinnen gewesen.



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